Carole Dieschbourg bekam als Gastgeschenk u.a. ein Glas Rotäpfelchengelee von Birkenfelder Streuobstwiesen

Carole Dieschbourg bekam als Gastgeschenk u.a. ein Glas Rotäpfelchengelee von Birkenfelder Streuobstwiesen

Grüne sehen besseren Klimaschutz in Gefahr

Mittags bekam Carole Dischbourg die Keltenkatze in Silber des Idarer Goldschmieds Wolfgang Wild als Anhänger im Schloss Birkenfeld (Trauzimmer) überreicht, um auch im Großherzogtum Luxemburg für den nahen Nationalpark zu werben.

Mittags bekam Carole Dischbourg die Keltenkatze in Silber des Idarer Goldschmieds Wolfgang Wild als Anhänger im Schloss Birkenfeld (Trauzimmer) überreicht, um auch im Großherzogtum Luxemburg für den nahen Nationalpark zu werben.

Infoabend mit zwei Ministerinnen

Es war eine kleine, dafür aber illustre Runde mit zwei Ministerinnen: Etwa 20 Anhänger der Partei sind der Einladung von Thomas Petry, der bei der Landtagswahl am 13. März für Bündnis 90/Die Grünen als Direktkandidat im Kreis antritt, in den Oldenburger Hof in Birkenfeld gefolgt. Zusammen mit der rheinland-pfälzischen Spitzenkandidatin der Grünen und amtierenden Wirtschaftsministerin Eveline Lemke und der luxemburgischen Umweltministerin Carole Dieschburg stand thematisch das UN-Klimaabkommen von Paris im Mittelpunkt, auf das sich im Dezember 2015 die Vertreter von 195 Nationen geeinigt haben und dessen Ziel es ist, dass die Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius und möglichst sogar auf 1,5 Grad vorsieht.

Ein bewegender Moment

Da Luxemburg zu diesem Zeitpunkt den Vorsitz im EU-Rat hatte, führte Dieschburg die Verhandlungen im Namen von 28 europäischen Ländern. Es sei ein bewegender Moment gewesen, bei dem vielen die Tränen in den Augen standen, als festgestanden habe, dass dieses Abkommen einstimmig angenommen wird. Über den Klimapakt sagte Dieschburg: „Es ist ein Meilenstein. Das Abkommen ist zwar auch ein Kompromiss, der nicht perfekt ist. Es liefert aber eine gute Architektur, um den Wandel in eine fossilfreie Gesellschaft zu forcieren.“

Einweihung des Nahwäremnetztes in Birkenfeld

Einweihung des Nahwärmenetzes in Birkenfeld

Dass die Grünen diese Bemühungen um einen besseren Klimaschutz begrüßen, liegt auf der Hand. Ebenso, dass Lemke drei Wochen vor der Landtagswahl im Kreis ihrer Parteifreunde hervorhob, dass in diesem Bereich seit 2011 unter Rot-Grün in Mainz viel bewegt worden sei. Unter anderem ist Rheinland-Pfalz eins von insgesamt nur drei Bundesländern, die ein Klimaschutzgesetz haben.

„Wir haben in dieser Wahlperiode alle Weichen für eine Entwicklung in die richtige Richtung gestellt“, betonte Lemke. Doch in Zeiten des Wahlkampfs ist es auch nicht verwunderlich, dass markige Worte fallen. Zu ihren Parteifreunden sagte die Spitzenkandidatin:

„Die Frage, wie Klimaschutz aussehen würde, wenn die Grünen nicht mehr an der Landesregierung angehörten ist schnell beantwortet: Es würde ihn nicht mehr geben. Die Energiewende wäre am Ende.“

Julia Klöckners "Mr. Burns": Michael Fuchs

Julia Klöckners „Mr. Burns“: Michael Fuchs

Lemke griff vor allem die CDU und das von Julia Klöckner berufene Kompetenzteam an. Michael Fuchs, der von Klöckner vorgesehene Wirtschaftsminister, sei bekannt dafür, dass er eindeutig für Kohle und Atomstrom plädiere. „Mit ihm würden alle Projekte, die wir zur Energieeffizienz entwickelt haben, gnadenlos auf Eis gelegt“, prophezeite Lemke.

Sie berichtete von der Einweihung des Nahwärmenetztes in Birkenfeld am Mittag zuvor und bezeichnet es als „Vorzeigeprojekt, das sich hoffentlich herumspricht. Die Energieträger dafür kommen aus der unmittelbaren Nähe“. Mit dem Vorhaben sei man in Birkenfeld auf dem richtigen Weg, um sich unabhängig vom Einkauf von fossilen Brennstoffen in schwierigen Weltregionen zu machen.

Experte vom Umwelt-Campus

Dass an der Energiewende kein Weg vorbeiführt und dabei die „ländliche Region der Treiber ist, weil sie nicht in Großstädten wie Mainz oder Ludwigshafen stattfinden kann. Wir müssen das aber besser kommunizieren“, war der Standpunkt, den mit Peter Heck vom IfaS-Institut am Umwelt-Campus ein weiterer Gast deutlich machte. Es sei zwar klar, dass ein besserer Klimaschutz nötig ist. „Es wissen auch alle, dass etwas passieren muss. Das Problem ist aber, dass es noch eine andere Welt und knallharte Gegenkonzepte gibt“, betonte Heck. Denn es gebe weltweit nach wie vor starke Bestrebungen, Energie aus fossilen Ressourcen – Stichworte sind Kohle oder Fracking – zu gewinnen.

Für Thomas Petry stand am Ende des Abends mit seinen Parteifreunden fest: „Beim Klimaschutz stehen wir vor einer Herkulesaufgabe, die sich nicht in einer Wahlperiode bewältigen lässt, sondern die eigentlich eine Lebensaufgabe ist.“


 

Hintergrund:

Zusammen mit der Europäischen Union haben sich 79 Staaten aus Afrika, der Karibik und dem Pazifikraum für ein ehrgeiziges Abkommen in Paris ausgesprochen. Carole Dieschbourg hat entscheidend daran mitgearbeitet.

(CC BY-ND 2.0) Photo: Simon Ruf / UN Social Media Team

(CC BY-ND 2.0) Photo: Simon Ruf / UN Social Media Team

Die 38-Jährige ist Europas Stimme auf dem Gipfel. Weil ihr Heimatland gerade den EU-Ratsvorsitz innehat – und weil sie die zuständige Ministerin ist. Als „extrem engagiert“ und „geschickt“ beschreibt man das Vorgehen der bekennenden Katholikin bei den Verhandlungen in EU-Kreisen.

Nach dem Abitur in Echternach studierte sie zunächst ab 1997 an der Uni Trier Geschichtswissenschaften und Germanistik. Anschließend befasste sie sich als Koordinatorin eines EU-Projekts mit den historischen Mühlen in ihrer Heimat – um schließlich 2006 in der Wassermühle Moulin J.P. Dieschbourg anzuheuern, die sich seit 1897 in Familienbesitz befindet. Im Angebot sind unter anderem nachhaltig und ökologisch produziertes Mehl, aber auch Kaffee aus der eigenen Rösterei. Bio und fair gehandelt, selbstverständlich.

Quelle: Spiegel Online

Verwandte Artikel