Bild: Grüne Trier

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Thomas Petry will OB-Wahl-Ergebnis wiederholen

TPtwitterLandtagswahl: 51-Jähriger kämpft für rot-grüne Koalition

Idar-Oberstein. Im Teehaus in der Idarer Fußgängerzone duftet es schon beim Reinkommen nach Teeblättern und Früchten. Thomas Petry hat diesen Ort für das Treffen mit der NZ vorgeschlagen. Am 13. März sind Landtagswahlen, und der Landesvorsitzende der Grünen ist im Wahlkreis Birkenfeld einer von acht Direktkandidaten, die in den Mainzer Landtag einziehen wollen. Derzeit hat er kaum eine freie Minute: Wahlkampfveranstaltungen, Parteitage und Telefonkonferenzen halten ihn auf Trab. Leider habe er nicht oft Zeit für einen Besuch im Teehaus, erzählt der 51-Jährige. Petry schätzt das Flair und die Besitzerin, die ihm und seinen Parteifreunden schon oft heiße Getränke spendiert hat, wenn sie in der Fußgängerzone ihren Wahlstand aufgebaut hatten. Dass es ihn einmal zu den Grünen ziehen würde, stand zu Beginn seiner politischen Karriere noch in den Sternen.

„Ich komme aus keinem besonders politischen Elternhaus“, erzählt Petry. Der Einstieg in die Politik erfolgte bei ihm zu Beginn seiner Lehre als Straßenbauer: „Ich bin in die Gewerkschaft Bau-Steine-Erden eingetreten.“ Dort bekleidete er mehrere Ämter. „Daneben war ich in einer Jugendgruppe in Idar-Oberstein aktiv, die vom Deutschen Gewerkschaftsbund gefördert wurde. Wir haben uns immer in einem Jugendraum in Oberstein getroffen. Damals gab es eine relativ hohe Jugendarbeitslosigkeit, die Jugendschutzgesetze haben sich langsam entwickelt. Zusammen mit Gleichaltrigen habe ich mich schon sehr früh mit sozialen Themen beschäftigt.“ Nach seiner Ausbildung studierte Petry auf dem zweiten Bildungsweg Architektur und machte sich in diesem Beruf selbstständig. „In meiner Diplomarbeit ging es um eine Mehrzweckhalle, die Anfang der 1990er-Jahre auf den Börsenparkplatz kommen sollte. Dann hieß es aber auf einmal, dass man dort einen McDonald’s hinbauen wolle. Das war das erste Mal, dass ich mich aktiv für die Stadt eingesetzt habe.“ Durch Bürgerversammlungen und Diskussionen kam Petry in die Politik – zunächst noch als Parteiloser. 2004 trat er dann den Grünen bei und belebte den Kreisverband wieder.

Auf der Landesliste rangiert Petry nur auf Platz 58. „Eigentlich hatte ich für Platz zehn kandidiert“, erzählt er. Doch er bekam nicht genug Stimmen. Dass er doch noch über ein Direktmandat in den Landtag einzieht, ist eher unwahrscheinlich. „Es heißt ja ,Sag niemals nie’… Wenn ich an die OB-Wahl-Ergebnisse herankäme, wäre das super. Aber die Mehrheitsverhältnisse sind schwer zu knacken.“

Was wäre, wenn die Grünen nicht mehr in die Landesregierung kämen? „Ich will momentan nicht vom Worst Case ausgehen“, betont er. „Unsere Umfragewerte sind ja leider nicht so super. Wir tun aber alles dafür, dass die rot-grüne Koalition erhalten bleibt. Wir wollen den sozial-ökologischen Wandel, den wir angestoßen haben, gern fortführen. Dafür brauchen wir ein gutes Ergebnis. Ich will nicht erleben, dass die AfD die drittstärkste Kraft im Landtag wird. Dagegen kämpfen wir bis zum Schluss.“

Wie steht er zu einer ebenfalls möglichen Koalition mit der CDU, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Christdemokraten Gelder für den noch jungen Nationalpark streichen wollen? „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da eine Einigung gibt.“ Auch eine Jamaika-Koalition mit CDU und FDP hält er für unwahrscheinlich: „Ich glaube nicht, dass das für uns Grüne eine Option ist.“

Petry, der sowohl im Stadtrat als auch im Kreistag sitzt, liegt der Nationalpark sehr am Herzen. „Da steckt doch so viel Vorbereitung drin. Die Leute müssen sich damit identifizieren, aber das ist noch längst nicht bei allen angekommen. Das muss sich alles noch weiterentwickeln. Das möchte ich auf den Weg bringen.“ Ein flächendeckender Breitbandausbau ist ihm ebenfalls wichtig. „Ich will einen brauchbaren Internetanschluss in allen Dörfern. Die Zukunft wird sich digital abspielen. „Wie viel Freizeit bleibt einem Berufspolitiker? „Wenig“, sagt Petry. Doch Sonntage sind Tatorttage: „Das ist bei den Grünen weit verbreitet. Wenn an dem Tag telefoniert wird, dann um halb acht oder nach 22 Uhr“, sagt er lächelnd. Auch die Zeit mit seiner Lebensgefährtin und den beiden erwachsenen Kindern bedeutet ihm viel. Zur Familie gehören auch eine Schildkröte und eine Katze.

Quelle: Nahe Zeitung vom Donnerstag, 3. März 2016, Seite 11

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